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Die Psyche eines Neugeborenen

16. Mai 2014

Was ein Kind bei der Geburt empfindet und wie wichtig die ersten Wochen für die gesunde Entwicklung der Seele sind.

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Nach etwa 270 Tagen reicht die Nahrung für das Kind im Mutterleib nicht mehr aus. Das mütterliche Gehirn bildet ein Hormon, das bei der Mutter Wehen auslöst. Das Kind schüttet Stresshormone aus, macht sich schmal, dreht und windet sich und erzeugt damit weitere Wehen bei der Mutter, bis es Licht der Welt erblickt.Beim Kaiserschnitt dringen Geräusche und Instrumente zu ihm durch, fremde Hände erfassen es und ziehen es heraus.

Das neue Leben ist laut, kalt, das Licht blendet und die Welt zerfällt in unendliche viele Teile. Die Luft öffnet den Kehlkopf, das Baby tut seinen ersten Schrei. Die Mutter zieht es an ihre linke Brust, es hört dort den vertrauten Herzschlag und riecht das Aroma der Mama. Die Natur hat es mit einem funktionierenden Saugreflex ausgestattet und durch den Geschmack der Muttermilch erinnert es sich an das Fruchtwasser. Das Kind erkennt seine Mutter und erinnert sich an die Sicherheit in der Höhle. Eine tiefe Entspannung breitet sich in den nächsten Stunden aus, die Stresshormone ziehen sich wieder zurück in ihre Speicherplätze. In dieser Geborgenheit ruht sich das Neugeborene gemeinsam mit der Mutter aus. Ab jetzt weiß es: „Es wird alles wieder gut.“

Die Psyche eines Neugeborenen

Irgendetwas passt nicht – das Baby schreit. Es hört, wie der Sessel knarrt, wenn sich die Mutter erhebt, es hört sie näherkommen, erkennt ihr lächelndes Gesicht und saugt an der Brust. Es sieht dabei der Mutter ins Gesicht – ins freundliche Gesicht, denn das flauschige Haar und die niedlichen großen Augen bringen sie unwillkürlich zum Lächeln. Das Bindungshormon Oxytocin fließt in den Adern des Babys, es fühlt damit Liebe und lernt das Muster des tiefen Vertrauens. Es weiß jetzt, es war hungrig. Und die Mutter hat geholfen.

Wieder ist ihm unbehaglich, das Baby schreit – und spürt, wie die Decke gelüftet wird. Plötzlich fühlt sich alles wieder behaglich an. Es weiß jetzt, dass ihm zu warm war. Und die Mutter hat geholfen.

Auch dieses Wissen begleitet das Kind auf seinem weiteren Lebensweg. Bald weiß es  genau, wann es zu warm ist, wann es Hunger hat und wann es das Bedürfnis hat, trocken zu liegen. Es spürt bald, dass es müde ist und schlafen kann.

Die Gewissheit, dass die Mutter Bescheid darüber weiß, was es braucht, bildet sich in passenden Mustern in seinem Gehirn aus und wirkt für das ganze Leben mit dem unauflöslichen Gefühl des Vertrauens. Nach sechs Wochen lächelt es die Mutter an und weiß: „Schön. Du bist es, die mich so gut versteht.“ Diese Muster sind in seinem weiteren Leben auch zuständig dafür, wie vertrauenswürdig es selbst ist.

(Fortsetzung folgt)

Die Autorinnen_Vivocell

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Hier erfährst du mehr zum Thema Erziehung und Psychologie.

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